Was ist Laktatdehydrogenase (LDH)?
Die Laktatdehydrogenase (LDH) ist ein Enzym, das in nahezu allen Körperzellen vorkommt. Es spielt eine zentrale Rolle im Energiestoffwechsel: LDH katalysiert die reversible Umwandlung von Pyruvat zu Laktat (Milchsäure) und umgekehrt, wobei NAD?/NADH beteiligt ist. Dies ist besonders wichtig bei anaerober (sauerstoffarmer) Energiegewinnung in Zellen.
LDH liegt in fünf Isoenzymen (Varianten) vor, die sich aus zwei Untereinheiten (H-Typ für Herz, M-Typ für Muskel) zusammensetzen:
- LDH-1 (H4): Vor allem in Herzmuskel, roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und Nieren.
- LDH-2 (H3M): In Herz, Erythrozyten und retikuloendothelialem System.
- LDH-3 (H2M2): In Lunge, Milz, Lymphknoten und Thrombozyten.
- LDH-4 (HM3): In Leber, Skelettmuskulatur und Plazenta.
- LDH-5 (M4): Vorwiegend in Leber und Skelettmuskulatur.
Im Blutserum gesunder Menschen ist LDH nur in geringer Konzentration vorhanden, da das Enzym intrazellulär bleibt. Wird es im Labor gemessen, dient es als unspezifischer Marker für Zellschäden oder Zelluntergang (Nekrose oder verstärkter Zellumsatz). Bei Zellschädigung tritt LDH aus den Zellen aus und gelangt ins Blut.
Normwerte (Referenzbereiche)
Die Normalwerte für die Gesamt-LDH im Serum sind methoden- und laborabhängig. Typische Bereiche bei Messung bei 37 °C (IFCC-Standard):
- Erwachsene Frauen: ca. 135–214/215 U/l
- Erwachsene Männer: ca. 135–225 U/l
- Kinder und Jugendliche: Oft höhere Werte (Neugeborene bis 750 U/l, Kleinkinder bis ca. 400–500 U/l, ab ca. 16–18 Jahren Erwachsenenbereich).
Genauere Werte sollten immer dem jeweiligen Laborbericht entnommen werden, da sie variieren können. Niedrige LDH-Werte sind selten klinisch relevant und können z. B. bei extrem hoher Vitamin-C- oder -E-Zufuhr oder sehr seltenen genetischen Defekten (LDH-Mangel) vorkommen.
Klinische Bedeutung eines erhöhten LDH-Werts
Ein erhöhter LDH-Wert (Hyperlactatdehydrogenasämie) ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein unspezifischer Hinweis auf Gewebe- oder Zellschäden. Er zeigt an, dass Zellen zugrunde gehen und dabei LDH freisetzen. Die Höhe der Erhöhung korreliert grob mit dem Ausmaß des Schadens, ist aber nicht immer proportional zur Schwere der Erkrankung.
Wichtige Ursachen für eine LDH-Erhöhung:
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Akuter Myokardinfarkt (Herzinfarkt), Herzinsuffizienz, Myokarditis, Lungenembolie.
- Lebererkrankungen: Akute und chronische Hepatitis, Leberzirrhose, Lebertumoren oder -metastasen, toxische Leberschäden (z. B. durch Medikamente oder Pilzgifte).
- Blut- und Hämolyse-Erkrankungen: Hämolytische Anämien (Zerfall roter Blutkörperchen), megaloblastäre Anämie (Vitamin-B12- oder Folsäuremangel), perniziöse Anämie, hämolytisch-urämisches Syndrom.
- Krebserkrankungen: Viele maligne Tumoren, insbesondere Lymphome (z. B. Non-Hodgkin-Lymphom), Leukämien, Hodenkrebs, Lungenkrebs oder metastasierte Karzinome. Hier dient LDH oft als Tumormarker zur Verlaufsbeurteilung und Prognoseeinschätzung (hohe Werte bei hoher Tumorlast oder aggressivem Wachstum).
- Muskel- und Gewebeschäden: Traumen, Muskelverletzungen, intensive körperliche Belastung, Muskelerkrankungen (z. B. Myopathien), Knochenfrakturen.
- Weitere Ursachen: Nierenerkrankungen, Infektionen (z. B. schwere bakterielle Infekte, virale Enzephalitis/Meningitis), Autoimmunerkrankungen (z. B. Lupus), Pankreatitis oder Megaloblastose.
Die Isoenzym-Analyse (heute seltener durchgeführt, da spezifischere Marker wie Troponin, CK, ALT/AST oder Tumormarker verfügbar sind) kann helfen, das betroffene Organ einzugrenzen:
- LDH-1/2 erhöht: Herz oder Hämolyse
- LDH-3 erhöht oder gleich: Lunge oder Lymphsystem
- LDH-4/5 erhöht oder gleich: Leber oder Skelettmuskel
LDH steigt relativ spät an (nach Stunden bis Tagen) und bleibt länger erhöht als z. B. Troponin beim Herzinfarkt (bis zu 1–2 Wochen). Deshalb wird sie heute eher ergänzend oder zur Verlaufsbeobachtung genutzt.
Symptome – Was spürt der Patient?
Da die LDH-Erhöhung selbst asymptomatisch ist, hängen die Symptome ausschließlich von der zugrunde liegenden Erkrankung ab. Es gibt keine spezifischen „LDH-Symptome“. Beispiele:
- Bei Herzinfarkt: Brustschmerz, Atemnot, Schweißausbrüche, Übelkeit, Ausstrahlung in Arm oder Kiefer.
- Bei Lebererkrankungen: Müdigkeit, Gelbsucht (Ikterus), Oberbauchschmerzen, Appetitlosigkeit, dunkler Urin.
- Bei hämolytischer Anämie: Blässe, Müdigkeit, Gelbfärbung der Haut/Augen, dunkler Urin, ggf. Milzschwellung.
- Bei Krebs (z. B. Lymphom/Leukämie): Lymphknotenschwellungen, Nachtschweiß, ungewollter Gewichtsverlust, Fieber (B-Symptome), Infektanfälligkeit, Müdigkeit.
- Bei Lungenembolie: Plötzliche Atemnot, Brustschmerz, Husten (ggf. blutig), Kreislaufprobleme.
- Bei Muskeltrauma: Lokale Schmerzen, Schwellung, Bewegungseinschränkung.
Viele Patienten mit moderat erhöhter LDH haben zunächst keine oder unspezifische Symptome (z. B. allgemeine Abgeschlagenheit). Deshalb wird der Wert oft zufällig im Rahmen einer Routineblutuntersuchung oder bei Verdacht auf eine bestimmte Erkrankung bestimmt.
Diagnostik und weitere Abklärung
Ein isolierter LDH-Wert ist wenig aussagekräftig. Der Arzt interpretiert ihn immer im Kontext mit:
- Klinischen Symptomen und Anamnese
- Anderen Laborwerten (z. B. Troponin, CK-MB, Transaminasen, Haptoglobin, Bilirubin, Blutbild)
- Bildgebenden Verfahren (EKG, Ultraschall, CT, MRT) oder Biopsien
Bei Verdacht auf eine spezifische Organbeteiligung werden gezieltere Tests durchgeführt. Eine leichte Erhöhung kann auch nach starker körperlicher Anstrengung oder bei harmlosen Ursachen auftreten und muss nicht immer krankhaft sein.
Wichtig: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Diagnose. Bei auffälligen Laborwerten immer einen Arzt konsultieren, der die individuellen Befunde bewertet. Beachten Sie unseren Disclaimer.


