London (Labnews Media LLC) – Forschende des King’s College London haben die Struktur des Flagellums von Vibrio-Bakterien in bisher unerreichter atomarer Auflösung aufgeklärt. Die Ergebnisse eröffnen neue Ansatzpunkte für Therapien gegen lebensbedrohliche Infektionen wie Cholera und Vibriose, die zunehmend antibiotikaresistent sind.
Vibrio-Bakterien verursachen weltweit Tausende Todesfälle pro Jahr. Besonders Vibriose gewinnt in warmen Küstengewässern Süd-Europas und der US-Südküste an Bedeutung. Das Flagellum, eine Art mikroskopischer Propeller, ermöglicht den Bakterien die aktive Fortbewegung und das Eindringen in den Blutkreislauf des Wirts. Bei Vibrio-Arten ist dieses Flagellum von einer schützenden Scheide umhüllt, die das Bakterium vor dem Immunsystem abschirmt.
Das Londoner Team hat mit Kryo-Elektronenmikroskopie erstmals die atomare Architektur dieses Systems sichtbar gemacht. Die Aufnahmen zeigen, wie das Flagellum innerhalb der Scheide rotiert und wie die schützende Hülle aufgebaut wird. Statt die Bakterien wie bei klassischen Antibiotika direkt abzutöten, könnte eine gezielte Störung der Scheide oder der Rotationsmechanik die Infektionsfähigkeit unterbinden. Dadurch würde der Selektionsdruck für weitere Resistenzentwicklungen deutlich verringert.
Die Forschenden betonen, dass die genaue Kenntnis dieser Struktur die Entwicklung neuartiger, gezielter Interventionen ermöglicht. Insbesondere bei antibiotikaresistenten Stämmen von Cholera und Vibriose könnten solche Ansätze künftig eine entscheidende Rolle spielen.
Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht.

