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Bluttest erkennt Nierenversagen-Risiko bei Schwarzen Amerikanern Jahre im Voraus

Ein neu entwickelter Bluttest kann bei Menschen afrikanischer Abstammung, die hochriskante Varianten des APOL1-Gens tragen, das Risiko für Nierenversagen Jahre vor dem Auftreten klinischer Symptome vorhersagen. Das geht aus einer Studie der Perelman School of Medicine an der University of Pennsylvania hervor, die am Mittwoch im Fachjournal Nature Medicine veröffentlicht wurde.

Die Forscher um Katalin Susztak analysierten Blutproben von mehr als 850 Personen afrikanischer Herkunft aus der Penn Medicine BioBank. Alle Teilnehmer trugen die hochriskanten APOL1-Varianten und hatten zu Studienbeginn noch normale Nierenfunktion. Anhand eines kleinen Panels zirkulierender Proteine entwickelten die Wissenschaftler einen Risiko-Score, der das Auftreten von Nierenversagen, einer deutlichen Verschlechterung der Nierenfunktion oder Tod innerhalb der nächsten zehn Jahre vorhersagen kann.

Die Unterschiede waren erheblich: Mehr als 60 Prozent der Personen in der höchsten Risikogruppe entwickelten innerhalb von zehn Jahren ein Nierenversagen, das eine Dialyse oder eine Transplantation erforderte. In der niedrigsten Risikogruppe lag die Rate bei weniger als einem Prozent.

APOL1-Varianten sind in der Bevölkerung afrikanischer Abstammung weit verbreitet und schützen ursprünglich vor bestimmten Infektionskrankheiten. Gleichzeitig erhöhen sie jedoch das Risiko für schwere Nierenerkrankungen. Schätzungen gehen davon aus, dass in den USA vier bis fünf Millionen Menschen diese Varianten tragen. Die meisten von ihnen erkranken jedoch nie. Bisher gab es keine zuverlässige Möglichkeit, die tatsächlich gefährdeten Personen frühzeitig zu identifizieren, bevor die Nierenfunktion messbar nachlässt.

Die identifizierten Proteine sind mit Signalwegen verbunden, die an Nierenschäden und Fibrose beteiligt sind. Der Test erfasst somit frühe biologische Veränderungen, die der klinisch messbaren Verschlechterung der Nierenfunktion vorausgehen. Die Ergebnisse wurden in zwei unabhängigen Kohorten in den USA und Großbritannien validiert und übertrafen dort bestehende klinische Vorhersagemodelle.

Die Forscher sehen in dem Test ein wichtiges Instrument für die Früherkennung. Er könnte künftig helfen, Hochrisikopatienten gezielt zu überwachen und neue Therapien einzusetzen, die speziell auf die schädlichen Effekte der APOL1-Varianten abzielen. Solche Medikamente befinden sich derzeit in der Entwicklung.

Die Studie unterstreicht die erhebliche gesundheitliche Ungleichheit: Menschen afrikanischer Abstammung erkranken fast viermal häufiger an Nierenversagen als Personen europäischer Herkunft – ein Unterschied, der zu einem erheblichen Teil auf die APOL1-Varianten zurückzuführen ist.

Kritische Bewertung
Die Studie ist beobachtend und kann keine direkte Kausalität beweisen. Die Einschätzung der Einsamkeit oder sozialen Isolation war nicht Gegenstand dieser Untersuchung. Zudem basiert die Kohorte überwiegend auf weißen und nicht-weißen Personen afrikanischer Abstammung aus dem UK Biobank und der Penn BioBank, was die Übertragbarkeit auf andere Bevölkerungsgruppen einschränkt. Die Autoren fordern daher weitere Studien in ethnisch diverseren Gruppen und klinische Tests, ob eine frühe Intervention auf Basis des Risiko-Scores tatsächlich das Fortschreiten der Erkrankung verhindern oder verzögern kann.

Die Arbeit reiht sich in eine wachsende Reihe von Untersuchungen ein, die zeigen, dass zirkulierende Proteine frühe Gewebeschäden und Krankheitsprozesse widerspiegeln können. Sie könnte dazu beitragen, die Risikobewertung bei Nierenerkrankungen über die klassischen klinischen Parameter hinaus auf direktere biologische Marker zu verlagern.

Hintergrund
Degenerative Herzklappenerkrankungen sind in den USA zwischen 1999 und 2020 für mehr als 440.000 Todesfälle verantwortlich gewesen. Mit zunehmender Alterung der Bevölkerung wird die Häufigkeit weiter steigen. Die frühzeitige Identifizierung gefährdeter Personen könnte die Notwendigkeit invasiver Eingriffe wie Herzklappenersatz verringern und die Lebensqualität der Betroffenen deutlich verbessern.

LabNews Media LLC

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The Editors in Chief of lab-news.de are Marita Vollborn and Vlad Georgescu. They are bestselling authors, science writers and science journalists since 1994.More details about their writing on X-Press Journalistenbüro (https://xpress-journalisten.com).More Info on Wikipedia:About Marita: https://de.wikipedia.org/wiki/Marita_Vollborn About Vlad: https://de.wikipedia.org/wiki/Vlad_Georgescu