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siRNA-Technologie – Explainer

Credits: LabNews Media LLC

Was ist siRNA?

siRNA steht für small interfering RNA (kleine interferierende RNA). Es handelt sich um kurze, doppelsträngige RNA-Moleküle mit einer Länge von typischerweise 21–23 Nukleotiden. Sie sind das zentrale Werkzeug der RNA-Interferenz (RNAi), einem natürlichen Mechanismus zur Gen-Stilllegung (Gene Silencing).

siRNA-Moleküle bestehen aus zwei komplementären RNA-Strängen:

  • einem Sense-Strang („Sinn-Strang“),
  • einem Antisense-Strang („Gegenstrang“), der zur Ziel-mRNA passt.

Natürlicher Mechanismus der RNA-Interferenz (RNAi)

Die siRNA-Technologie nutzt einen uralten zellulären Abwehrmechanismus, der ursprünglich zur Bekämpfung von Viren und zur Regulation der Genexpression dient.

Schritt-für-Schritt-Ablauf:

  1. Eintritt in die Zelle
    Die doppelsträngige siRNA gelangt ins Zytoplasma (z. B. über Lipid-Nanopartikel oder GalNAc-Konjugate).
  2. Verarbeitung durch Dicer
    Das Enzym Dicer schneidet längere doppelsträngige RNA in kurze siRNA-Fragmente (21–23 nt).
  3. Beladung des RISC-Komplexes
    Die siRNA wird in den RNA-induced silencing complex (RISC) eingeladen. Dabei wird der Sense-Strang abgespalten und abgebaut. Der Antisense-Strang bleibt im RISC gebunden.
  4. Erkennung der Ziel-mRNA
    Der Antisense-Strang führt den RISC-Komplex zur komplementären Boten-RNA (mRNA) im Zytoplasma.
  5. Gen-Stilllegung
  • Bei vollständiger Komplementarität: Das Enzym Argonaute (im RISC) schneidet die Ziel-mRNA ? diese wird abgebaut.
  • Bei teilweiser Komplementarität: Translation wird blockiert (Repression).

Ergebnis: Das entsprechende Gen wird nicht mehr in Protein übersetzt – die Proteinproduktion wird gezielt und reversibel unterdrückt.

Unterschied zu anderen RNA-Therapien

TechnologieWirkungsweiseDauer der WirkungZielort
siRNASpaltet Ziel-mRNA oder blockiert sieTage bis WochenZytoplasma
mRNAWird selbst in Protein übersetztStunden bis TageZytoplasma
ASOBlockiert mRNA oder spaltet sieTage bis WochenKern/Zytoplasma
CRISPRSchneidet DNA dauerhaftDauerhaftZellkern

siRNA wirkt post-transkriptional (nach der mRNA-Bildung) und ist daher reversibel und besonders sicher.

Therapeutische Anwendungen und zugelassene Medikamente

Die erste zugelassene siRNA-Therapie war 2018 Onpattro (Patisiran) gegen die hereditäre ATTR-Amyloidose. Seitdem folgten weitere:

  • Givlaari (Givosiran) – Akute hepatische Porphyrie
  • Oxlumo (Lumasiran) – Primäre Hyperoxalurie Typ 1
  • Leqvio (Inclisiran) – Hypercholesterinämie (senkt PCSK9)
  • Amvuttra (Vutrisiran) – ATTR-Amyloidose
  • Rivfloza (Nedosiran) – Primäre Hyperoxalurie

Weitere siRNA-Medikamente befinden sich in klinischen Studien gegen Krebs, virale Infektionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und seltene genetische Erkrankungen.

Herausforderungen und Lösungen

Probleme bei der Anwendung:

  • Stabilität: siRNA wird schnell durch RNasen abgebaut.
  • Zellaufnahme: siRNA gelangt schlecht in Zellen.
  • Off-Target-Effekte: Ungewollte Bindung an ähnliche mRNAs.
  • Immunaktivierung: Kann Entzündungsreaktionen auslösen.

Lösungen:

  • Chemische Modifikationen (z. B. 2’-O-Methyl, Phosphorothioat-Rückengrat) für mehr Stabilität.
  • Delivery-Systeme:
  • Lipid-Nanopartikel (LNP)
  • GalNAc-Konjugate (sehr leberspezifisch)
  • Antikörper-Konjugate

Vorteile der siRNA-Technologie

  • Sehr hohe Spezifität (ein einzelnes Gen kann gezielt ausgeschaltet werden).
  • Reversibel – keine dauerhafte Veränderung des Genoms.
  • Kann praktisch jedes Gen adressieren (auch solche, die mit kleinen Molekülen oder Antikörpern nicht erreichbar sind).
  • Relativ schnelle Entwicklung neuer Wirkstoffe möglich.

Fazit

siRNA-Technologie ist eine der präzisesten und vielseitigsten gentherapeutischen Plattformen der Gegenwart. Sie nutzt einen natürlichen zellulären Mechanismus, um Gene gezielt stillzulegen. Nach den ersten Zulassungen wächst die Pipeline rasant – insbesondere bei Lebererkrankungen, seltenen genetischen Störungen und bestimmten Krebsformen. Die Technologie gilt als einer der wichtigsten Durchbrüche in der modernen Medizin seit der Einführung von monoklonalen Antikörpern.

Credits: LabNews Media LLC
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The Editors in Chief of lab-news.de are Marita Vollborn and Vlad Georgescu. They are bestselling authors, science writers and science journalists since 1994.More details about their writing on X-Press Journalistenbüro (https://xpress-journalisten.com).More Info on Wikipedia:About Marita: https://de.wikipedia.org/wiki/Marita_Vollborn About Vlad: https://de.wikipedia.org/wiki/Vlad_Georgescu