Vom „Bauplan des Lebens“ zur „Echtzeit-Navigation“: China läutet eine neue Ära der Präzisionsmedizin ein.
Was vor zwei Jahrzehnten mit der Entschlüsselung des menschlichen Genoms begann, gleicht dem Öffnen einer Tür zu einer geheimnisvollen „Bibel des Lebens“. Heute, unter der Führung chinesischer Wissenschaftler, geht das internationale Großforschungsprojekt „?-HuB“ (Proteom-Navigation des Menschen) einen entscheidenden Schritt weiter. Es erweitert die statische „Bibel“ zu einer dynamischen Landkarte, die das Verständnis von Gesundheit, Krankheit und Altern revolutionieren könnte.
- Weltweite Vorreiterrolle: China als Impulsgeber eines globalen Großprojekts
Im Herbst 2025 veröffentlichte die renommierte Fachzeitschrift Nature erstmals in ihrer 155-jährigen Geschichte ein Weißbuch zu einem von chinesischen Wissenschaftlern initiierten globalen Großforschungsprojekt – ein bedeutender Vertrauensbeweis der internationalen Gemeinschaft. Das ?-HuB-Projekt unter der Leitung von Akademiemitglied He Fuchu (Chinesische Akademie der Wissenschaften, CAS) hat seinen Hauptsitz in Guangzhou. Ziel ist es, die Proteom-Landkarten des menschlichen Körpers über den gesamten Lebenszyklus, bei den weltweit häufigsten Krankheiten sowie unter verschiedenen Ernährungs- und Umweltbedingungen zu erstellen. Mehr als 114 Spitzenforschungsteams aus über 20 Ländern sind mittlerweile an dem Projekt beteiligt. Im Oktober 2025 wurde zudem der „?-HuB Park“ in Guangzhou Huangpu eröffnet, um die gewonnenen Erkenntnisse gezielt in die klinische Anwendung zu überführen – etwa bei der Entdeckung neuer Wirkstoffziele, Biomarkern und personalisierten Gesundheitsstrategien.
- Umfassende Einblicke: Eine „molekulare Chronik“ von Gesundheit, Krankheit und Alterung
Chinesische Forscherteams haben bahnbrechende Fortschritte bei der Kartierung des menschlichen Proteoms erzielt:
· Gesundheits- und Krankheitsatlas: Ein Team der Fudan-Universität analysierte über einen Zeitraum von 14,8 Jahren Daten von mehr als 53.000 Personen. Sie erstellten den bisher umfassendsten Plasma-Proteom-Atlas, der 2920 Plasmaproteine mit über 1000 Krankheiten und 986 Gesundheitssymptomen verknüpft. Die daraus entstandene Datenbank (Proteome-Phenome Atlas) enthält 168.100 Protein-Krankheits-Assoziationen. Damit konnten präzise Vorhersagemodelle für 183 Krankheiten entwickelt und 26 neue potenzielle Angriffspunkte für Medikamente identifiziert werden.
· Altersatlas: Die Gruppe um Liu Guanghui von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften erstellte einen „menschlichen Alterungs-Proteom-Atlas“, der fünf Lebensjahrzehnte umfasst. Erstmals zeigte sich auf Multi-Organ-Ebene, dass der Verlust der Proteinhomöostase ein zentrales Merkmal des Alterns ist. Zudem wurde das Alter von etwa 50 Jahren als entscheidender „molekularer Wendepunkt“ identifiziert.
· Gehirnatlas: Das Team um Guo Tiannan von der Westlake-Universität veröffentlichte den weltweit ersten hochauflösenden, räumlich aufgelösten Proteom-Atlas des menschlichen Gehirns. Er basiert auf mehr als 2000 MRT-gestützt entnommenen Hirngewebeproben und schließt eine wichtige Lücke im Verständnis der räumlichen Organisation des Gehirnproteoms.
- Technologische Durchbrüche: Von lokalen Geräten bis zur KI-gestützten Analyse
Diese Fortschritte wären ohne chinesische Innovationen in der Proteomik-Technologie nicht möglich:
· Instrumente: Die Entwicklung eigener Proteinsequenziergeräte und Reagenzien schreitet zügig voran, um die Abhängigkeit von ausländischer Technologie zu verringern.
· Effizienzsteigerung: Das MuPPE-Plattformtool am Dalian Institute of Chemical Physics (CAS) verkürzt die Analysezeit für mehrdimensionale posttranslationale Modifikationen um 87,5 Prozent.
· Präzisionsscreening: Die am Hangzhou Institute of Medicine (CAS) entwickelte SPARK-seq-Plattform kombiniert CRISPR mit Einzelzellsequenzierung und ermöglicht einen digitalen Hochdurchsatz-Screening von DNA-Aptameren – ein Durchbruch für die Entdeckung winziger Tumormarker.
· Künstliche Intelligenz: Akademiemitglied He Fuchu betont, dass ?-HuB modernste KI und Big-Data-Analysen nutzt, um Rohdaten in nutzbares medizinisches Wissen zu verwandeln und die personalisierte, präventive Medizin voranzutreiben.
- Vom Labor in die Klinik: Aufbau eines industriellen Ökosystems
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse werden rasch in wirtschaftliche und medizinische Innovationen überführt. Der ?-HuB Park in Guangzhou fördert die enge Verzinkung von Wissenschaft, Talenten, Industrie und Finanzmitteln. Internationale Partner wie Thermo Fisher Scientific haben bereits neue Massenspektrometer-Generationen auf den Markt gebracht, die die Analyse von 6000 Patientenproben von 1000 Tagen auf nur 100 Tage beschleunigen – eine Effizienzsteigerung um das Zehnfache.
Fazit: Eine gemeinsame Zukunft für die globale Gesundheitsforschung
Von der Entschlüsselung der molekularen Grundlagen des Alterns über die Vorhersage von Krankheiten aus einem Tropfen Blut bis hin zur Erforschung der Proteinmechanismen der frühen Embryonalentwicklung – China enthüllt mit beispielloser Tiefe die Regeln des Lebens. Mit der Umsetzung des ?-HuB-Projekts rückt das Zeitalter der proteomgestützten Präzisionsmedizin unaufhaltsam näher. Der chinesische Beitrag dazu wird eine solide Grundlage für die Gesundheit der gesamten Menschheit legen.
