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Labormedizin: Ringversuche in Deutschland – ein Erfolgsmodell

Deutschland blickt auf eine lange Tradition bei labormedizinischen Ringversuchen zurück. Seit etwa 60 Jahren werden hierzulande Ringversuche durchgeführt, ursprünglich mit dem Ziel, die Blutbilddiagnostik zu standardisieren[4]. Seitdem hat sich das System kontinuierlich weiterentwickelt und gilt heute als Vorbild für viele andere Länder.

Gesetzliche Verankerung und breite Abdeckung

Ein wesentlicher Grund für den Erfolg des deutschen Systems ist die gesetzliche Verankerung. In Deutschland ist die regelmäßige Teilnahme an Ringversuchen für medizinische Laboratorien verpflichtend[5]. Die Richtlinie der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen (RiliBÄK) definiert klare Anforderungen in fünf Bereichen:

1. Quantitative laboratoriumsmedizinische Untersuchungen
2. Qualitative laboratoriumsmedizinische Untersuchungen
3. Direkter Nachweis und Charakterisierung von Infektionserregern
4. Ejakulatuntersuchungen
5. Molekulargenetische und zytogenetische laboratoriumsmedizinische Untersuchungen[5]

Diese umfassende Abdeckung stellt sicher, dass nahezu alle relevanten Bereiche der Labormedizin regelmäßig überprüft werden.

Etablierte Organisationsstrukturen

Mit der Organisation und medizinisch-fachlichen Betreuung der Ringversuche sind seit Jahrzehnten INSTAND e.V. und das Deutsche Referenzbüro für Ringversuche und Referenzmaterialien (DRRR) beauftragt[4]. Diese etablierten Strukturen gewährleisten eine professionelle Durchführung und kontinuierliche Weiterentwicklung der Ringversuche.

Internationale Anerkennung

Die deutschen Ringversuche basierend auf der RiliBÄK werden international als regulatorisch eingestuft[4]. Dies unterstreicht die hohe Qualität und Zuverlässigkeit des deutschen Systems.

Zukunftsorientierte Weiterentwicklung

Trotz der bereits starken Position arbeitet Deutschland kontinuierlich an der Verbesserung seiner Ringversuche:

1. Erweiterung des Spektrums: Neben den klassischen Bereichen werden zunehmend auch Infektiologie, Molekulargenetik und patientennahe Messungen (POCT) berücksichtigt[4].

2. Klinischer Kontext: Es gibt Bestrebungen, den klinischen Kontext stärker in die Ringversuche einzubeziehen, etwa durch die Diskussion von Entscheidungsgrenzen[4].

3. Digitalisierung: INSTAND e.V. treibt die Digitalisierung voran, um die Teilnahme an Ringversuchen zu vereinfachen und gleichzeitig einen Beitrag zur Umweltbilanz zu leisten[5].

4. Freiwillige Ringversuche: Zusätzlich zu den verpflichtenden Tests bieten Organisationen wie INSTAND e.V. zahlreiche freiwillige Ringversuche an, die über das in der RiliBÄK geforderte Spektrum hinausgehen[5].

Herausforderungen und Ausblick

Trotz der starken Position gibt es Herausforderungen, die angegangen werden müssen:

1. Prä- und postanalytische Aspekte: Die üblichen Ringversuche berücksichtigen wichtige prä- und postanalytische Schnittstellen der Labordiagnostik oft nicht ausreichend[4].

2. Probenmatrix: Einfluss- und Störfaktoren in der Probenmatrix, die durch die besonderen Bedingungen der Ringversuchsprobe entstehen, müssen weiter untersucht werden[4].

3. Kommutabilität: Die Frage nach der Übertragbarkeit von Ringversuchsergebnissen auf reale Patientenproben bleibt ein wichtiges Thema[4].

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Deutschland im Bereich der labormedizinischen Ringversuche keineswegs zurückfällt, sondern weiterhin eine Vorreiterrolle einnimmt. Die kontinuierliche Weiterentwicklung und der Fokus auf zukünftige Herausforderungen lassen erwarten, dass diese Position auch in den kommenden Jahren gehalten werden kann.

Quellen:


[1] Ringversuch – Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Ringversuch


[2] Ringversuche zur Qualitätssicherung: Wie gut ist Ihr Labor? https://food.r-biopharm.com/de/news/ringversuche-qualitaetssicherung-labor/


[3] [PDF] Planung und statistische Auswertung von Ringversuchen zur … https://www.methodensammlung-bvl.de/resource/blob/208066/e536126ed1723145e51fc90b12736f5e/planung-und-statistische-auswertung-data.pdf


[4] Richtlinie der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung … https://www.instand-ev.de/ueber-instand/aktuelles/detail/richtlinie-der-bundesaerztekammer-zur-qualitaetssicherung-laboratoriumsmedizinischer-untersuchungen-ein-erfolgsmodell/


[5] Ringversuche – INSTAND e.V. https://www.instand-ev.de/instand-ringversuche/


[6] Warum wir an Ringversuchen teilnehmen und warum Sie es auch tun sollten – NETZSCH Analyzing & Testing https://analyzing-testing.netzsch.com/de/blog/2021/warum-wir-an-ringversuchen-teilnehmen-und-warum-sie-es-auch-tun-sollten

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The Editors in Chief of lab-news.de are Marita Vollborn and Vlad Georgescu. They are bestselling authors, science writers and science journalists since 1994.More details about their writing on X-Press Journalistenbüro (https://xpress-journalisten.com).More Info on Wikipedia:About Marita: https://de.wikipedia.org/wiki/Marita_Vollborn About Vlad: https://de.wikipedia.org/wiki/Vlad_Georgescu