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Oldenburger KI-Modell „CarbaDetector“ erkennt gefährliche Reserveantibiotika-Resistenzen zuverlässiger

Forschende der Universitätsmedizin Oldenburg haben ein KI-Modell entwickelt, das Bakterien, die gegen Reserveantibiotika (Carbapeneme) resistent sind, deutlich präziser identifiziert als herkömmliche Screening-Algorithmen. Das Modell „CarbaDetector“ produziert deutlich weniger falsch-positive Ergebnisse und könnte unnötige, teure Folgeuntersuchungen vermeiden. Die Ergebnisse wurden in „Nature Communications“ veröffentlicht. Carbapenemase-produzierende Enterobacterales (CPE) sind hochresistente Erreger, die schwere Infektionen wie Sepsis oder Lungenentzündungen auslösen können. Da sie oft auch gegen viele andere Antibiotika resistent sind, gelten sie als eine der größten Bedrohungen durch Antibiotikaresistenzen – weltweit sterben jährlich Hunderttausende daran. Aktuelle Screeningmethoden analysieren Hemmhöfe im Antibiogramm (Durchmesser der Wachstumshemmzonen um Antibiotikaplättchen). Algorithmen wie EUCAST erkennen positive Fälle fast immer, klassifizieren aber häufig negative Proben fälschlich als positiv – mit Raten von bis zu 61 Prozent. Das führt zu aufwendigen Bestätigungstests. „CarbaDetector“ analysiert dieselben Daten, liefert aber nur etwa 13 Prozent falsch-positive Ergebnisse – bei vergleichbar hoher Sensitivität.… 

Nord- und Ostsee durch MRT-Kontrastmittel großflächig belastet

Eine umfangreiche Studie der CritMET-Arbeitsgruppe unter Leitung von Prof. Michael Bau von der Constructor University Bremen zeigt, dass Nordsee und Ostsee mit Gadolinium-haltigen MRT-Kontrastmitteln verunreinigt sind. Die Ergebnisse, die in mehreren Fachzeitschriften erschienen sind, belegen einen weitreichenden Eintrag dieser anthropogenen Substanzen über Flüsse wie Rhein, Elbe, Weser, Ems, Themse, Weichsel und Oder. Die Kontrastmittel werden bei MRT-Untersuchungen eingesetzt und nach der Ausscheidung durch Patienten in Kläranlagen nicht entfernt. Sie gelangen in Flüsse und schließlich ins Meer. In der südlichen Nordsee stammen sie vor allem aus Rhein und Themse, werden durch Strömungen entlang der deutschen und dänischen Küste bis in norwegische Fjorde transportiert und mischen sich dort mit belastetem Ostseewasser. Erste Untersuchungen an Muscheln und Fischen deuten darauf hin, dass Wasserorganismen die Kontrastmittel aufnehmen können, allerdings bisher nicht in großem Maßstab in die Nahrungskette gelangen. Die aktuellen Konzentrationen gelten noch nicht… 

Viele Kinase-Inhibitoren lösen gezielten Proteinabbau aus

Kinase-Inhibitoren gehören zu den wichtigsten Krebsmedikamenten – sie blockieren Enzyme, die unkontrolliertes Zellwachstum antreiben. Eine neue Studie von CeMM und AITHYRA (beide Österreichische Akademie der Wissenschaften) sowie dem IRB Barcelona zeigt nun: Viele dieser Wirkstoffe können weit mehr als nur blockieren – sie beschleunigen auch den Abbau der Zielproteine. Die Ergebnisse, veröffentlicht in „Nature“, machen diese Inhibitoren zu vielversprechenden Werkzeugen für den gezielten Proteinabbau, einem der dynamischsten Felder der modernen Wirkstoffforschung. Die Forschenden testeten 1.570 Inhibitoren an 98 Kinasen in Zellkulturen. Ergebnis: 232 Wirkstoffe senkten die Konzentration mindestens einer Kinase, insgesamt 66 Kinasen waren betroffen. Manche Inhibitoren lösten den Abbau innerhalb weniger Minuten aus. Der Mechanismus ist vielfältig: Teilweise verhindern die Inhibitoren die Bindung schützender Begleitproteine (HSP90), teilweise versetzen sie die Kinase in instabile Zustände – etwa durch veränderte Aktivität, Zellort oder Aggregatbildung –, die das zelluläre Qualitätskontrollsystem als „defekt“… 

Infektionen: Immunsystem lässt Gehirn soziale Kontakte stoppen

Wissenschaftler am Picower Institute des MIT haben erstmals den genauen Mechanismus aufgeklärt, durch den das Immunsystem bei Infektionen das Sozialverhalten abschaltet. Die Studie, veröffentlicht am 25. November 2025 in der Fachzeitschrift „Cell“, zeigt: Das Zytokin Interleukin-1? (IL-1?) bindet an Rezeptoren (IL-1R1) auf Neuronen im dorsalen Raphe-Kern (DRN) und aktiviert von dort eine Verbindung zum intermediären lateralen Septum – mit dem Ergebnis, dass Mäuse (als Modell für Infektion) sofort soziale Kontakte meiden. Dieses Verhalten ist evolutionär sinnvoll: Es schützt Artgenossen vor Ansteckung und ermöglicht dem Kranken Ruhe. Bisher war jedoch unklar, ob der Rückzug lediglich eine Nebenwirkung von Müdigkeit ist oder ein aktiver, gesteuerter Prozess. Die MIT-Forscher konnten kausal nachweisen: „Unser Ergebnis zeigt, dass soziale Isolation bei Krankheit kein passives Symptom ist, sondern ein aktiver Schutzmechanismus, den Immunsystem und Gehirn gemeinsam steuern“, fasst Studienleiterin Gloria Choi zusammen. Die Erkenntnisse könnten auch… 

Die tödlichen Risiken von Ananassaft – ein evidenzbasierter Überblick

Ananassaft gilt als gesund, vitaminreich und harmlos. In normalen Mengen (ein Glas ab und zu) ist er das auch. Doch in sehr hohen, regelmäßigen Mengen oder unter bestimmten Umständen können Ananassaft und besonders konzentrierte Ananaspräparate (z. B. hochdosierte Bromelain-Kapseln aus Ananasstamm) schwere bis tödliche Komplikationen verursachen. Die dokumentierten Todesfälle sind zwar deutlich seltener als bei Paracetamol oder Kurkuma-Präparaten, existieren aber in der medizinischen Literatur und in Pharmakovigilanz-Datenbanken. Die wichtigsten tödlichen Risiken beruhen auf drei Mechanismen: massive Hyperkaliämie, schwere allergische Reaktionen und lebensbedrohliche Blutungen durch extrem hohe Bromelain-Dosen. 1. Tödliche Hyperkaliämie durch extrem hohen Kaliumgehalt Ananassaft enthält sehr viel Kalium: etwa 300–400 mg pro 250 ml Glas (frisch gepresst oft noch mehr). Bei massivem Konsum (mehrere Liter pro Tag) kann dies zu einer gefährlichen Erhöhung des Kaliumspiegels im Blut führen. 2. Schwere anaphylaktische Reaktionen mit Todesfolge Ananas gehört zu den häufigsten… 

Persistente Umweltgifte reichern sich bereits im Fötalstadium im Gewebe an

Persistente organische Schadstoffe (POP) reichern sich laut einer neuen Studie der Universität Oulu, Finnland, bereits im Fötalstadium im Gewebe von Säugetieren an. Die Tierstudie ergab, dass sich Umweltgifte im Gewebe von Schafen aus ökologischer Haltung anreicherten und in nennenswerten Mengen in das Fettgewebe der sich entwickelnden Föten gelangten.Persistente Umweltgifte wie PCB und DDT verbleiben lange Zeit in der Natur, ohne abgebaut zu werden. Sie können sich im Fettgewebe von Organismen anreichern und über die Nahrungskette bioakkumulieren. Diese Substanzen wurden früher in der Industrie und als Insektizide eingesetzt, und obwohl ihre Verwendung heute streng reguliert ist, sind sie weiterhin weit verbreitet in der Umwelt.Die Studie analysierte Gewebeproben von 15 Bio-Mutterschafen und ihren Lämmern kurz nach der Geburt, um die häufigsten persistenten organischen Schadstoffe (POP) zu identifizieren. Fast alle untersuchten Substanzen wurden sowohl im Gewebe der erwachsenen Schafe als auch der Lämmer… 

Adoleszenz endet erst mit Anfang 30

Das menschliche Gehirn entwickelt sich nicht kontinuierlich, sondern in fünf klar abgegrenzten Epochen, die durch vier große Umbauphasen voneinander getrennt sind. Dies zeigt eine großangelegte Studie der University of Cambridge, die am 25. November 2025 in Nature Communications erschienen ist und die Gehirnstruktur von 3.802 Personen im Alter von 0 bis 90 Jahren mittels Diffusions-MRT analysiert hat. Die fünf Lebensphasen der neuronalen Vernetzung lauten: Der stärkste Umbruch erfolgt demnach erst um das 32. Lebensjahr – deutlich später als die klassische Vorstellung vom Ende der Adoleszenz mit 18 oder 21. Erst ab diesem Alter stabilisiert sich die Gehirnstruktur für die kommenden drei Jahrzehnte weitgehend. Die Forscher sehen darin eine neurobiologische Erklärung dafür, warum Intelligenz und Persönlichkeit in den Dreißigern oft ein Plateau erreichen. Die Studie macht auch deutlich, warum bestimmte Störungen typischerweise in bestimmten Lebensphasen auftreten: Lern- und Aufmerksamkeitsprobleme häufen sich… 

Paracetamol ist in zu hohen Dosen tödlich. Credits: LabNews Media LLC

Die tödlichen Risiken von Paracetamol – ein evidenzbasierter Überblick

Paracetamol (Acetaminophen) ist eines der weltweit am häufigsten verwendeten Schmerz- und Fiebermittel. Es gilt bei bestimmungsgemäßer Anwendung als sicher und ist in vielen Ländern rezeptfrei erhältlich. Doch trotz seiner weitreichenden Akzeptanz birgt Paracetamol erhebliche Risiken, insbesondere bei Überdosierung, chronischem Missbrauch oder in Kombination mit bestimmten Risikofaktoren. Die schwerwiegendsten Komplikationen sind akutes Leberversagen, Nierenschäden und seltener tödliche Stoffwechselstörungen. Peer-reviewte Studien, Fallberichte und Datenbanken wie LiverTox zeigen, dass Paracetamol jährlich weltweit tausende Todesfälle verursacht, vor allem durch akutes Leberversagen. Dieser Artikel beleuchtet die tödlichen Risiken von Paracetamol auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse. 1. Akutes Leberversagen – die Haupttodesursache Die primäre tödliche Gefahr von Paracetamol ist die medikamenteninduzierte Leberverletzung (DILI – Drug-Induced Liver Injury), die in schweren Fällen zu akutem Leberversagen (ALF – Acute Liver Failure) führt. Paracetamol ist die häufigste Ursache für ALF in westlichen Ländern. 2. Mechanismus der Toxizität Paracetamol wird… 

Leitlinien-Therapie bei Herzinsuffizienz: Intravenöse Eisengabe schützt nur Männer – Frauen profitieren nicht prognostisch

Eine Auswertung der großen FAIR-HF2-Studie zeigt erstmals einen geschlechtsspezifischen Unterschied bei einer in den Leitlinien empfohlenen Therapie der Herzinsuffizienz: Die intravenöse Gabe von Eisen (Ferric-Carboxymaltose) verbessert bei Männern mit Eisenmangel und reduzierter Pumpfunktion (HFrEF) die Prognose signifikant – das Risiko für Herz-Kreislauf-Tod oder Klinikeinweisung sank um 26 Prozent. Bei Frauen hingegen brachte die Behandlung keinen Vorteil; im Gegenteil deutete sich sogar ein leicht erhöhtes Risiko an. Die Ergebnisse wurden im „European Journal of Heart Failure“ veröffentlicht. Die Studie umfasste 1.105 Patienten (737 Männer, 368 Frauen), die randomisiert Eisen oder Placebo erhielten. Während Männer klar profitierten, blieb bei Frauen der primäre Endpunkt (Herz-Kreislauf-Tod oder Klinikbehandlung wegen Herzinsuffizienz) unverändert oder tendenziell schlechter. Symptomatisch und funktionell besserten sich beide Geschlechter, doch die harte Prognose verbesserte sich nur bei Männern. Prof. Dr. Dr. Mahir Karakas vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Initiator und Hauptautor der Analyse,… 

Entzündung nach Herzinfarkt lässt sich per PET/CT vorhersagen

Ein Forschungsteam der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat gezeigt, dass die Stärke der Entzündungsreaktion nach einem Herzinfarkt mit einer speziellen Bildgebungstechnik frühzeitig sichtbar gemacht werden kann – und damit die Heilungschancen sowie das Risiko für eine chronische Herzschwäche genau vorhergesagt werden können. Die Ergebnisse wurden im „Journal of Nuclear Medicine“ veröffentlicht und als Titelthema der November-Ausgabe ausgezeichnet. Jährlich erleiden in Deutschland über 300.000 Menschen einen akuten Myokardinfarkt, bei dem Herzmuskelgewebe abstirbt. Das Immunsystem reagiert mit einer Entzündung, die das tote Gewebe abbaut und die Heilung einleitet. Ist diese Reaktion jedoch zu stark oder zu langanhaltend, kann sie zu ungünstigem Umbau der linken Herzkammer und letztlich zu Herzinsuffizienz führen. Die MHH-Forscher um Professor Frank Bengel (Klinik für Nuklearmedizin) und Professor Johann Bauersachs (Klinik für Kardiologie und Angiologie) untersuchten 49 Patienten in der ersten Woche nach einem Infarkt mit einer Kombination aus…