Zum Inhalt springen

Die tödlichen Risiken von Kurkuma-Nahrungsergänzungsmitteln – ein evidenzbasierter Überblick

Kurkuma (Curcuma longa) und insbesondere sein Hauptinhaltsstoff Curcumin gelten in der Bevölkerung und in vielen Wellness-Kreisen als nahezu risikofreies „Superfood“. Hochdosierte Kurkuma- und Curcumin-Nahrungsergänzungsmittel werden millionenfach konsumiert – oft in Dosen, die das 50- bis 100-fache der normalen küchenüblichen Menge überschreiten. Während moderate Mengen aus der Nahrung praktisch unbedenklich sind, zeigen mittlerweile zahlreiche peer-reviewte Fallberichte, Kohortenstudien und pharmakokinetische Untersuchungen, dass hochdosierte Kurkuma-Präparate schwere, teilweise tödliche Leberschäden verursachen können. Seit etwa 2017 häufen sich insbesondere Berichte über akute hepatotoxische Reaktionen, die teilweise zu Leberversagen und Tod geführt haben. 1. Akutes Leberschäden und tödliche Hepatitis durch Curcumin-Präparate Die schwerwiegendsten dokumentierten Fälle betreffen ein akutes medikamenteninduziertes Leberschäden (DILI – Drug-Induced Liver Injury) mit hepatocellulärem Schadensmuster (hohe Transaminasen, oft >1000 U/l) und teilweise fulminantem Verlauf. Diese Fälle zeigen ein klares Muster: Fast immer handelte es sich um Präparate mit Bioverfügbarkeits-Verbesserern (meist Piperin/Black Pepper-Extrakt oder… 

FDA erweitert Novartis  Gentherapie

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat das Gentherapie-Medikament Itvisma® (onasemnogene abeparvovec-brve) von Novartis für die Behandlung von Kindern ab zwei Jahren, Jugendlichen und Erwachsenen mit spinaler Muskelatrophie (SMA) zugelassen – sofern eine Mutation im SMN1-Gen bestätigt ist. Damit steht erstmals eine Einmal-Gentherapie für diese breite Altersgruppe zur Verfügung, die die genetische Ursache der Erkrankung direkt behebt und potenziell den Bedarf an chronischer Medikation reduziert. SMA ist eine seltene, genetisch bedingte neuromuskuläre Erkrankung, bei der das SMN1-Gen fehlt oder mutiert ist. Ohne ausreichend SMN-Protein sterben Motoneuronen ab, was zu fortschreitender Muskelschwäche führt – einschließlich Schluck- und Atemproblemen. Itvisma ersetzt das defekte Gen durch eine einmalige intrathekale Injektion und verbessert nachweislich die Motorik, wie Phase-III-Studien (STEER und STRENGTH) mit über 3.800 Patienten zeigten. Die Wirkung hielt über 52 Wochen an, oft ohne die im natürlichen Verlauf erwartete Verschlechterung. Die häufigsten Nebenwirkungen waren grippeähnliche Symptome… 

Umfassendste Cochrane-Analyse bestätigt: HPV-Impfung verhindert zuverlässig Krebsvorstufen und Gebärmutterhalskrebs

Zwei neue Cochrane Reviews, die die bisher größte Datenmenge zur HPV-Impfung auswerten, untermauern eindrucksvoll Wirksamkeit und Sicherheit der Impfung gegen Humane Papillomviren. Die unabhängigen Übersichtsarbeiten analysieren zusammen klinische Studien mit über 157.000 sowie Beobachtungsdaten von mehr als 132 Millionen Menschen aus über 40 Ländern. Alle geprüften Impfstoffe (Cervarix, Gardasil, Gardasil 9 und Cecolin) schützen hoch wirksam vor dauerhaften Infektionen mit den jeweils abgedeckten Hochrisiko-HPV-Typen. Impfstoffe mit Schutz gegen HPV 6 und 11 verhindern zusätzlich Genitalwarzen. Bereits im frühen Erwachsenenalter sinkt das Risiko für Krebsvorstufen am Gebärmutterhals, und große Kohortenstudien zeigen: Bei Impfung vor dem 16. Lebensjahr ist das Gebärmutterhalskrebs-Risiko nach 10 bis 14 Jahren um etwa 80 Prozent geringer als bei Ungeimpften. Der Effekt ist damit schon deutlich früher messbar als lange angenommen. Schwere Nebenwirkungen traten in den Studien nicht häufiger auf als in Placebo-Gruppen. Auch die Auswertung der Real-World-Daten… 

Verhalten von Golden Retrievern und Menschen wird von denselben Genen gesteuert

Eine Studie unter der Leitung von Forschern der Universität Cambridge bietet Einblicke in die Emotionen von Hunden und zeigt, warum manche Golden Retriever ängstlicher, energiegeladener oder aggressiver sind als andere. Die heute in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichte Studie zeigt erstmals, dass bestimmte Gene, die mit dem Verhalten von Hunden in Verbindung stehen, auch mit Eigenschaften wie Angstzuständen, Depressionen und Intelligenz beim Menschen assoziiert sind. Das Team analysierte den genetischen Code von 1.300 Golden Retrievern und verglich ihn mit den Verhaltensmerkmalen jedes Hundes, die anhand eines detaillierten Fragebogens für die Besitzer erfasst wurden. Dabei wurden Gene identifiziert, die Merkmale wie Trainierbarkeit, Energielevel, Fremdenangst und Aggressivität gegenüber anderen Hunden beeinflussen. Durch den Vergleich ihrer Ergebnisse mit einer ähnlichen Analyse beim Menschen entdeckte das Team, dass zwölf der von ihnen identifizierten Golden-Retriever-Gene auch menschlichen Verhaltensmerkmalen und Emotionen zugrunde liegen. „Die… 

Kalziumsensitiver Schalter steigert die Wirksamkeit von Krebsmedikamenten

Antikörpermedikamente zur Krebsbekämpfung sind so konzipiert, dass sie in Tumorzellen eindringen und dort eine tödliche Substanz freisetzen. Doch allzu oft erreichen sie dieses Ziel nicht. Eine neue Studie zeigt, wie diese Strategie – ähnlich einem Trojanischen Pferd – durch die Ausnutzung von Kalziumunterschieden innerhalb und außerhalb der Zellen effektiver funktioniert.  Ein Forschungsteam unter der Leitung von Sophia Hober, Professorin am KTH Royal Institute of Technology, hat die Entwicklung eines Kalzium-aktivierten Wirkstoffabgabesystems vorgestellt. Dieses System soll eine präzisere Behandlung mit niedrigeren Dosen und weniger Schäden an gesundem Gewebe ermöglichen. In Zusammenarbeit mit der Stanford University und der Universität Umeå veröffentlichten die Forscher ihre Ergebnisse in PNAS , der Fachzeitschrift der National Academy of Sciences. Das Konzept zielt auf eine häufige Herausforderung bei zielgerichteten Medikamenten ab, die dazu neigen, sich zu stark an Rezeptoren von Tumoren anzulagern. Positiv ist, dass diese starke Bindung die… 

FDA warnt vor gefährlichem Montagefehler bei Infusionssets von Fresenius Kabi

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat eine „Early Alert“ für ein bestimmtes Los des Ivenix Large Volume Pump (LVP) Primary Administration Sets des Herstellers Fresenius Kabi herausgegeben. Bei dem betroffenen Produkt (Los FA25B03126, Produktcode SET-0032-01/SET-0032-25) sind Tropfkammer und Luer-Lock-Anschluss vertauscht montiert. Dadurch kann es bei der Verwendung mit der Ivenix-Infusionspumpe zu einem Rückfluss (Reverse Flow) kommen: Flüssigkeit wird unter Unterdruck aus dem Patientenanschluss gesaugt und unter Überdruck zurück in den Behälter gedrückt. Dies birgt erhebliche Risiken: Der Fehler tritt nur bei pumpengesteuerter Infusion auf, nicht bei reiner Schwerkraftinfusion. Die nachgeschaltete Schlauchlänge ist zudem stark verkürzt (ca. 60 statt 183 cm), was den Anschluss an den Patienten erschweren oder unmöglich machen kann. Fresenius Kabi hat betroffene Kunden am 30. Oktober 2025 angeschrieben und fordert die sofortige Stilllegung, Quarantäne und Rückgabe oder Vernichtung des Loses. Bislang sind keine schweren Verletzungen oder Todesfälle bekannt geworden.… 

Unbehandelte Schlafapnoe erhöht das Parkinson-Risiko

Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass Menschen mit unbehandelter obstruktiver Schlafapnoe ein erhöhtes Risiko haben, an Parkinson zu erkranken. Sie können dieses Risiko jedoch deutlich senken, indem sie ihre Schlafqualität durch die Anwendung von CPAP (kontinuierlicher positiver Atemwegsdruck) verbessern. Die heute in der Fachzeitschrift JAMA Neurology veröffentlichte Studie untersuchte elektronische Gesundheitsakten von mehr als 11 Millionen US-Militärveteranen, die zwischen 1999 und 2022 Leistungen des US-Veteranenministeriums in Anspruch genommen hatten. Die Forschungsarbeiten wurden von der Oregon Health & Science University und dem Portland VA Health Care System geleitet. Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, von der schätzungsweise eine Million Menschen landesweit betroffen sind, wobei das Risiko für Menschen über 60 Jahre von Jahr zu Jahr stetig zunimmt. Die neue Studie deutet auf ein erhöhtes Risiko bei Menschen mit unbehandelter Schlafapnoe hin, langfristig an Parkinson zu erkranken. Selbst nach Berücksichtigung von Störfaktoren wie Übergewicht, Alter und Bluthochdruck… 

Blockchain in der Labormedizin: Durchbrüche und revolutionäre Anwendungen

Die Labormedizin – also die medizinische Diagnostik durch Laboruntersuchungen von Blut, Gewebe, Urin usw. – erzeugt täglich gigantische Mengen hochsensibler personenbezogener Gesundheitsdaten. Gleichzeitig kämpft das Fachgebiet mit klassischen Problemen: Dateninseln zwischen Laboren, Krankenhäusern und Arztpraxen, Fälschungsrisiken bei Befunden, langsame grenzüberschreitende Datenweitergabe, mangelnde Nachverfolgbarkeit von Proben und Proben sowie Datenschutzskandale. Genau hier setzt Blockchain-Technologie an – und zwar nicht nur theoretisch. Seit ca. 2022–2025 haben sich mehrere echte, bereits produktiv eingesetzte oder kurz vor dem Rollout stehende Durchbrüche ergeben, die die Labormedizin nachhaltig verändern werden. 1. Unverfälschbare und sofort verfügbare Laborbefunde („Immutable Lab Results“) Durchbruch: Befunde werden direkt nach Validierung durch den Laborarzt als kryptographisch signierter Hash auf einer Permissioned Blockchain (meist Hyperledger Fabric oder Ethereum-basiertes Quorum/Consortium-Netzwerk) abgelegt. Der vollständige PDF- oder HL7/FHIR-konforme Datensatz bleibt im klassischen Speicher, aber der Hash plus Metadaten (Patienten-Pseudonym, Probennummer, Timestamp, ausstellendes Labor) ist für immer… 

Das „zweite Gehirn“ im Darm steuert das Immunsystem wie eine Weiche

Forschende am Champalimaud Centre for the Unknown in Lissabon haben entdeckt, wie das Nervensystem im Darm entscheidet, ob das Immunsystem angreift oder repariert. Die Studie, veröffentlicht in „Nature Immunology“, beschreibt erstmals einen direkten Dreier-Dialog zwischen Darmnerven, den deckenden Epithelzellen und dem Immunsystem – und identifiziert dabei den Neurotransmitter VIP (vasoaktives intestinales Peptid) als zentrale Schaltstelle. VIP wird von bestimmten Darmneuronen freigesetzt, wenn wir essen. Epithelzellen, die die Darmwand auskleiden, tragen den Rezeptor VIPR1 und empfangen das Signal. Je nachdem, ob VIPR1 aktiviert oder blockiert wird, produziert die Epithelzelle unterschiedliche Botenstoffe (Zytokine), die das Immunsystem in zwei gegensätzliche Programme lenken: Tierversuche zeigten dramatische Effekte: Mäuse ohne VIPR1 in den Epithelzellen waren deutlich anfälliger für bakterielle Infektionen wie Salmonella, aber besser gegen Parasiten geschützt. Das Nervensystem im Darm fungiert damit wie eine Weiche, die je nach Situation den passenden Immunweg wählt. Die… 

Alzheimer-Studien mit oralem Semaglutid enttäuschen – Alzheimer-Gesellschaft fordert breitere Forschung

Die Alzheimer’s Association hat enttäuscht auf die Topline-Ergebnisse der Phase-3-Studien evoke und evoke+ reagiert: Das orale Diabetes-Medikament Semaglutid konnte in Tablettenform den Krankheitsverlauf bei frühem symptomatischen Alzheimer weder statistisch signifikant verlangsamen noch stoppen. An den beiden großen internationalen Studien nahmen über 3.800 Patienten im Alter von 55 bis 85 Jahren mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder milder Demenz (Stadium 3 und 4) teil. Obwohl das Medikament in beiden Studien Alzheimer-relevante Biomarker verbesserte, schlug sich dies nicht in einer Verzögerung des klinischen Fortschreitens nieder. Die Alzheimer’s Association betont, dass auch negative Studienergebnisse wertvoll sind: Sie tragen zum Verständnis der Krankheit bei und helfen, zukünftige Studien besser zu gestalten. Die Organisation bleibt optimistisch. Derzeit laufen 182 aktive klinische Studien mit 138 neuen Wirkstoffen. Experten gehen davon aus, dass eine wirksame Therapie künftig aus personalisierten Kombinationen mehrerer Ansätze bestehen wird. Die Alzheimer’s Association unterstützt…