Das Glioblastom (früher Glioblastoma multiforme, GBM) ist der häufigste und bösartigste primäre Hirntumor bei Erwachsenen. Er entsteht aus entarteten Gliazellen – den Stützzellen des Gehirns – und wird nach der WHO-Klassifikation als Grad-4-Tumor eingestuft. Der Tumor wächst extrem schnell, diffus und infiltrativ in gesundes Hirngewebe ein, sodass eine vollständige mikroskopische Entfernung praktisch unmöglich ist. Jährlich erkranken in Deutschland mehrere Tausend Menschen daran. Ursachen sind weitgehend unbekannt; erbliche Faktoren oder frühere Strahlenbelastung spielen nur selten eine Rolle.
Typische Symptome
Die Beschwerden hängen stark von der Lage des Tumors ab und entwickeln sich oft innerhalb weniger Wochen. Häufige Anzeichen sind:
- neu auftretende, zunehmend starke Kopfschmerzen (besonders morgens oder nachts),
- epileptische Anfälle,
- Übelkeit und Erbrechen,
- neurologische Ausfälle wie Lähmungen, Seh- oder Sprachstörungen,
- Persönlichkeits- und Wesensveränderungen, Reizbarkeit oder kognitive Einschränkungen,
- Müdigkeit und Leistungsminderung.
Diese Symptome entstehen durch den wachsenden Hirndruck oder die direkte Beeinträchtigung von Hirngewebe.
Diagnose und Standardtherapie
Die Verdachtsdiagnose wird meist durch eine Magnetresonanztomographie (MRT) gestellt. Entscheidend ist die histologische und molekulare Untersuchung einer Gewebeprobe. Dabei werden unter anderem der IDH-Wildtyp-Status und der MGMT-Promotor-Methylierungsstatus bestimmt – Letzterer beeinflusst das Ansprechen auf Chemotherapie.
Die Standardbehandlung folgt dem Stupp-Protokoll:
- Möglichst vollständige operative Entfernung des sichtbaren Tumors (maximale sichere Resektion), oft mit fluoreszenzgestützter Technik.
- Strahlentherapie (meist 60 Gy über sechs Wochen) kombiniert mit Chemotherapie (Temozolomid).
- Erhaltungstherapie mit Temozolomid über weitere Zyklen.
Zusätzlich ist die Tumortherapiefelder-Therapie (TTFields) zugelassen: Der Patient trägt eine tragbare Haube mit Elektroden, die hochfrequente Wechselfelder erzeugen und die Teilung von Tumorzellen stören. Diese Therapie kann das Überleben um mehrere Monate verlängern. Bei Rezidiven kommen erneute Operationen, weitere Bestrahlung oder andere Chemotherapien zum Einsatz.
Überlebensdauer und Prognose
Ohne Behandlung beträgt die mittlere Überlebenszeit nur wenige Monate. Mit vollständiger Standardtherapie liegt sie bei etwa 15 bis 18 Monaten; mit TTFields oft bei über 20 Monaten. Etwa 5 bis 10 Prozent der Patienten überleben länger als fünf Jahre. Günstige Faktoren sind junges Alter, guter Allgemeinzustand, vollständige Resektion und methylierter MGMT-Promotor. Das Glioblastom gilt als nicht heilbar; Rezidive treten fast immer auf.
Neue Therapieansätze und Forschung
Weltweit laufen zahlreiche Studien zu neuen Ansätzen:
- Immuntherapien, darunter spezifische Antikörper oder CAR-T-Zell-Therapien, die in ersten Studien lokale Effekte zeigen.
- Zielgerichtete Medikamente wie Temsirolimus bei bestimmten molekularen Subtypen.
- Kombinationstherapien, beispielsweise mit Laser-Interstitial-Thermal-Therapie (LITT) oder neuen Wirkstoffen wie KL-50.
- Weitere experimentelle Konzepte wie Multi-Peptid-Impfstoffe oder modifizierte Chemotherapien.
Viele dieser Optionen sind derzeit nur in Studien verfügbar. Experten empfehlen Betroffenen, sich frühzeitig in spezialisierten neuroonkologischen Zentren vorzustellen und nach Studien zu fragen.
Glioblastom-Patienten und Angehörige finden Unterstützung bei der Deutschen Hirntumorhilfe, der Deutschen Krebshilfe und in interdisziplinären Tumorboards. Eine individuelle Therapieplanung ist entscheidend.
Verifizierte Quellen (Stand 2026)
- https://de.wikipedia.org/wiki/Glioblastom (Zusammenfassung von Symptomen, Prognose und Standardtherapie)
- https://neurochirurgie.insel.ch/erkrankungen-spezialgebiete/hirntumoren/glioblastom (Inselspital Bern – Klinische Übersicht)
- https://www.usz.ch/neue-therapien-bei-glioblastomen/ (Universitätsspital Zürich – Neue Immuntherapien)
- https://www.netdoktor.de/krankheiten/hirntumor/glioblastom/ (Symptome und Prognose)
- https://www.schoen-klinik.de/glioblastom/behandlung (Behandlung und Stupp-Schema)
- Studien zu TTFields: EF-14-Trial-Ergebnisse (medianes Überleben mit TTFields ca. 20–21 Monate)
- https://klinikum.uni-heidelberg.de/newsroom/glioblastom-studie-zeigt-molekulare-diagnostik-koennte-zielgerichtete-therapien-ohne-zeitverzug-ermoeglichen/ (Heidelberger Studie zu zielgerichteten Therapien)
Für die aktuelle individuelle Beratung immer einen Facharzt oder ein spezialisiertes Zentrum konsultieren. Die Forschung entwickelt sich rasch weiter, neue Studien können die Optionen erweitern.


