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Analytica 2026: Finales Fazit

Künstliche Intelligenz, Automatisierung und Nachhaltigkeit haben die analytica 2026 in München dominiert. Die Weltleitmesse für Labor-, Analysen- und Biotechnik zog vom 24. bis 27. März mehr als 1.100 Aussteller aus aller Welt sowie Zehntausende Fachbesucher in die fünf Hallen der Messe München. Auf rund 55.000 Quadratmetern präsentierten die Unternehmen Innovationen für das smarte, digitale und ressourcenschonende Labor der Zukunft. Highlights der Messe Besonders gefragt waren Lösungen zur Laborautomatisierung, Robotik und KI-gestützten Prozessen. Zu den Exponaten zählten handliche Asbest-Scanner, forensische DNA-Kits, neue Massenspektrometer für die Entwicklung von Gentherapien sowie zahlreiche Weltpremieren von Herstellern wie Thermo Fisher, Mettler-Toledo, Knauer oder Waldner. Neun Weltpremieren wurden von den Ausstellern angekündigt. Die Sonderschau „Live Lab“ in Halle B2 ermöglichte es Besuchern, Standardverfahren und spezielle Methoden in einer realen Laborzeile live zu erleben – von der Probenvorbereitung bis zur Analyse. Ergänzt wurde das Angebot durch die… 

Bluttest sagt Beginn von Alzheimer-Symptomen voraus

Ein Bluttest auf das Protein p-tau217 kann vorhersagen, wann bei Menschen mit Alzheimer-typischen Veränderungen im Gehirn erste Symptome auftreten. Ein US-Forschungsteam hat einen sogenannten Alzheimer-„Clock“ entwickelt, der das Alter des ersten Anstiegs von p-tau217 mit dem Beginn der Erkrankung in Verbindung bringt. Das Modell basiert auf wiederholten Blutuntersuchungen von 603 älteren Personen. Es prognostiziert das Alter, in dem erhöhte p-tau217-Werte erstmals auftreten, mit einer mittleren Abweichung von drei bis vier Jahren zum tatsächlichen Symptombeginn. Je älter die Betroffenen sind, desto kürzer ist der Zeitraum bis zum Ausbruch: Bei einem Anstieg im Alter von 60 Jahren vergehen etwa 20 Jahre, bei einem Anstieg mit 80 Jahren nur noch etwa elf Jahre. Die Ergebnisse wurden am 19. Februar 2026 in der Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlicht. Die Forscher um Suzanne Schindler von der Washington University in St. Louis sehen darin einen Fortschritt für… 

Chaos in Lymphknoten fördert Krebswachstum bei aggressiven Lymphomen

Bei aggressiven Lymphomen zerstören entzündliche Botenstoffe die geordnete Struktur der Lymphknoten. Dadurch wird die lokale Immunabwehr geschwächt und das Tumorwachstum begünstigt. Ein internationales Forschungsteam unter Leitung von Simon Haas hat diesen Mechanismus erstmals detailliert entschlüsselt. Die Wissenschaftler verglichen mithilfe hochauflösender Einzelzell- und räumlicher Analysen Lymphknoten mit erhaltener und zerstörter Architektur. Dabei zeigte sich, dass seltene Stromazellen – die als „Dirigenten“ des Immunsystems fungieren – entscheidend für die räumliche Organisation der Immunzellen sind. In aggressiven Lymphomen reprogrammieren T-Zellen diese Stromazellen durch entzündliche Signale, sodass die fein abgestimmte Gewebestruktur zusammenbricht. Dieser Prozess ist kein passiver Nebeneffekt des Tumorwachstums, sondern ein aktiver, sich selbst verstärkender Entzündungskreislauf. Die Auflösung der Lymphknotenarchitektur schwächt die lokale Immunantwort und verschafft dem Tumor Vorteile. Patienten mit starker Stromazell-Reprogrammierung haben eine deutlich schlechtere Prognose. Die Studie legt nahe, dass eine Stabilisierung der Stromazellen oder eine gezielte Modulation entzündlicher Signale… 

Drohender Kraftstoffmangel bedroht die Labormedizin in Deutschland. Credits: Pixabay

Drohender Kraftstoffmangel bedroht die Labormedizin in Deutschland

Ein drohender Mangel an Kraftstoffen wie Benzin, Diesel und Kerosin gefährdet die Labormedizin in Deutschland massiv. Darauf macht das DGKL-Magazin MedLabPortal aufmerksam. Durch die Blockade der Straße von Hormuz im Rahmen des Iran-Kriegs könnten Engpässe ab Ende April oder Anfang Mai 2026 entstehen. Täglich werden dem Bericht zufolge bundesweit rund 250.000 Patientenproben per Straße zu Laboren transportiert. Die Probenlogistik ist auf Diesel-LKWs, Transporter und Kurierfahrzeuge angewiesen und unterliegt strengen Gefahrgutvorschriften. Verzögerungen oder Ausfälle bei den Transporten würden zeitkritische Untersuchungen beeinträchtigen – etwa Blutkulturen bei Sepsis, Herzmarker bei Infarktverdacht oder Schlaganfall-Diagnostik. Auch die Lieferung von Reagenzien, Testkits und Verbrauchsmaterialien ist betroffen, da viele Labore nach dem Just-in-time-Prinzip arbeiten. Besonders gefährdet sind die Notfallmedizin, Onkologie, Infektiologie und Blutbanken. In ländlichen Regionen und bei großen Zentrallaboren könnten zusätzlich Personalmobilität und Schichtbetrieb erschwert werden. Die Labormedizin verfügt im Gegensatz zur stationären Versorgung über keine… 

Methionin- und Cholinmangel löst Umprogrammierung in Leberzellen aus

Ein Mangel an den essenziellen Nährstoffen Methionin und Cholin (MCD) führt in Leberzellen zu einer tiefgreifenden Umprogrammierung der Genexpression. Diese Veränderungen spiegeln zentrale molekulare Merkmale der metabolisch-dysfunktionellen steatohepatitis (MASH) beim Menschen wider. Das zeigt eine neue Studie des University of Texas Health Science Center San Antonio, die in der Fachzeitschrift Journal of Lipid Research erschienen ist. Die Wissenschaftler um Xiaoli Sun untersuchten in Zellkulturmodellen vier zentrale Leberzelltypen – Hepatozyten (HepG2), Endothelzellen, Makrophagen und hepatische Sternzellen. Unter MCD-Bedingungen zeigten alle Zelltypen eine gemeinsame transkriptionelle Antwort: starke Aktivierung entzündlicher und Stress-Signalwege (u. a. Interferon-, TNF-NF?B- und IL6-JAK-STAT3-Signale) sowie eine deutliche Unterdrückung metabolischer und zellzyklusassoziierter Programme. Zusätzlich traten zelltyp-spezifische Veränderungen auf, die zur MASH-Pathogenese beitragen können: Hepatozyten verstärkten Entgiftungs- und oxidativen Stress-Antworten bei gleichzeitiger Hemmung der Sterol- und Lipidbiosynthese; Endothelzellen zeigten verstärkte Entzündung und vaskuläre Remodellierung; Makrophagen aktivierten Entzündungs- und Phagozytosewege bei gleichzeitiger… 

Saladax bringt ersten FDA-zugelassenen Clozapin-Assay für schnelle Therapieüberwachung auf den Markt

Saladax Biomedical hat den MyCare Psychiatry Clozapine Assay eingeführt – den ersten und bislang einzigen von der US-Arzneimittelbehörde FDA zugelassenen Test zur Bestimmung des Clozapin-Blutspiegels. Der automatisierte Assay liefert Ergebnisse in weniger als 24 Stunden direkt auf einem Routine-Chemie-Analyzer und soll die Therapieüberwachung bei schweren psychischen Erkrankungen deutlich verbessern. Clozapin gilt als Goldstandard bei therapieresistenter Schizophrenie, ist jedoch mit erheblichen Risiken verbunden, insbesondere der potenziell lebensbedrohlichen Agranulozytose. Eine regelmäßige und zeitnahe Kontrolle der Blutspiegel ist daher zwingend vorgeschrieben. Bisherige Labormethoden wie LC-MS benötigen oft drei Tage oder länger, sodass Ärzte häufig ohne aktuelle Werte entscheiden müssen. Der neue Assay schließt diese Lücke und ermöglicht eine echte Echtzeit-Unterstützung bei der Dosisanpassung. Objektive BewertungDer entscheidende Vorteil liegt in der Geschwindigkeit und der nahtlosen Integration in bestehende Laborabläufe. Im Vergleich zu LC-MS entfallen aufwendige Probenvorbereitung und Spezialgeräte, was Kosten und Personalaufwand senken kann.… 

IceCure meldet positive 5-Jahres-Daten zur Kryoablation bei Nierentumoren

Das israelische Unternehmen IceCure Medical hat positive Langzeitdaten aus der ICESECRET-Studie zur Kryoablation kleiner Nierentumore mit dem ProSense®-System vorgelegt. Bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von vier Jahren lag die rezidivfreie Rate in der Gesamtpopulation bei 83,9 Prozent. In einer Untergruppe von Patienten mit Tumoren bis drei Zentimeter Größe, ohne vorherige Nierenerkrankung und erfolgreicher Erstbehandlung, erreichte die rezidivfreie Rate 89,4 Prozent. Insgesamt wurden 114 Patienten mit 138 Läsionen behandelt, 112 Patienten wurden ausgewertet. Zwölf Patienten erhielten eine zweite Kryoablation. Die vollständigen Ergebnisse werden auf der European Conference of Interventional Oncology (ECIO) vom 26. bis 30. April 2026 in Basel präsentiert. ProSense® ist in den USA, Europa und weiteren Märkten bereits zur Behandlung von Nierentumoren zugelassen. Das minimalinvasive Verfahren soll eine Alternative zur chirurgischen Entfernung darstellen und wird insbesondere bei älteren Patienten oder solchen mit Begleiterkrankungen als schonende Option gesehen. IceCure sieht in… 

GLP-1-Rezeptoragonisten wirken bei Typ-2-Diabetes dreifach – Blutzucker, Gewicht und Herzschutz

Moderne Diabetesmedikamente aus der Gruppe der GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1 RA) können bei Typ-2-Diabetes gleich dreifach wirken: Sie senken den Blutzucker, unterstützen die Gewichtsabnahme und schützen zusätzlich das Herz-Kreislauf-System. GLP-1 RA ahmen ein körpereigenes Darmhormon nach, das nach der Nahrungsaufnahme freigesetzt wird. Sie fördern die Insulinfreisetzung, hemmen die Glucagon-Ausschüttung, verlangsamen die Magenentleerung und dämpfen den Appetit. Dadurch sinkt der HbA1c-Wert, das Körpergewicht nimmt ab und das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzinsuffizienz wird reduziert. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes ist das Herz-Kreislauf-Risiko deutlich erhöht: um etwa 60 Prozent für Herz-Kreislauf-Erkrankungen insgesamt, um 73 Prozent für Herzinfarkt und um 84 Prozent für Herzinsuffizienz. Übergewicht und dauerhaft hohe Blutzuckerwerte verstärken diese Gefahren zusätzlich. Genau hier setzen GLP-1 RA an, indem sie mehrere Risikofaktoren gleichzeitig adressieren. Trotz der breiten Wirkung kennen nur 26 Prozent der Betroffenen den Namen dieser Medikamentengruppe. Viele unterschätzen ihr Herzrisiko oder sprechen… 

Nicht evidenzbasierte Leistungen in der GKV: Riskanter Kostentreiber

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) in Deutschland finanziert Leistungen aus den besonderen Therapierichtungen, die medizinisch nicht oder nur unzureichend evidenzbasiert sind. Dazu gehören homöopathische Behandlungen und Arzneimittel, anthroposophische Ansätze sowie phytotherapeutische Präparate. Diese Richtungen sind im Arzneimittelgesetz als besondere Therapierichtungen anerkannt und unterliegen geringeren Anforderungen an den Wirksamkeitsnachweis als konventionelle Arzneimittel. Der Gemeinsame Bundesausschuss prüft sie nicht im gleichen strengen Rahmen wie Regelleistungen. Stattdessen können die Krankenkassen sie freiwillig als Satzungsleistungen, über Selektivverträge oder in Wahltarifen und Bonusprogrammen erstatten. Der wissenschaftliche Konsens sieht bei diesen Methoden keine über den Placebo-Effekt hinausgehende Wirkung oder nur traditionell begründete Effekte ohne ausreichende moderne randomisierte kontrollierte Studien für breite Anwendungen. Dennoch nutzen zahlreiche Kassen diese Angebote, um sich im Wettbewerb um Versicherte zu differenzieren und Nachfrage zu bedienen. Die rechtliche Grundlage für diese Erstattungen liegt im Sozialgesetzbuch V und dem Arzneimittelgesetz. Seit der Gesundheitsreform 2007… 

Hannover: Lungenkrebs-Früherkennung wird ab April Kassenleistung

Ab dem 1. April 2026 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Früherkennung von Lungenkrebs für starke Raucherinnen und Raucher. Das Low-Dose-CT-Verfahren richtet sich an Personen zwischen 50 und 75 Jahren mit mindestens 15 Packungsjahren Nikotinkonsum – auch wenn sie vor weniger als zehn Jahren aufgehört haben. Das KRH Klinikum Siloah bietet die Zweitbefundung der Untersuchungen an. Chefarzt Prof. Dr. Thomas Fühner, Leiter der Klinik für Pneumologie und des Lungenkrebszentrums, bezeichnet das neue Angebot als extrem sinnvoll. Lungenkrebs ist die häufigste Krebs-Todesursache in Deutschland und wird jährlich rund 58.000-mal diagnostiziert. Fast 90 Prozent der Fälle gehen auf Tabakkonsum zurück. Besonders problematisch ist, dass die Erkrankung lange symptomfrei verläuft. Wird sie erst in fortgeschrittenen Stadien entdeckt, sinken die Heilungschancen deutlich. Durch das Screening können Tumore früher erkannt werden – in vergleichbaren Programmen in den USA und den Niederlanden/Belgien lagen 57 bis 74 Prozent…